Entfernung und Brennweite eines Objektivs: Was ist das und wie nutzt man sie ?

Distance et longueur focale objectif

Wenn man mit der Fotografie beginnt, können die auf einem Objektiv eingravierten Zahlen abstrakt und nicht wirklich verständlich wirken. 50 mm, 35 mm, f/1,8 … Was bedeuten sie eigentlich? Und vor allem: Wie beeinflussen sie Ihre Fotos?

Die Brennweite ist einer der grundlegendsten Begriffe, die Sie verstehen müssen, um wirklich Fortschritte zu erzielen. Sie bestimmt, was Sie im Bildausschnitt festhalten, in welcher Entfernung Sie sich zu Ihrem Motiv befinden und welche allgemeine Stimmung Ihr Foto vermittelt. Sobald Sie diesen Begriff verstanden haben, wird alles klarer und Ihre Objektivwahl erfolgt viel bewusster.

Was ist die Brennweite und was bedeuten die Zahlen auf einem Objektiv?

Bevor wir über Bildausschnitt oder die Wahl des Objektivs sprechen, gibt es einen Begriff, der alles andere bestimmt. Die Brennweite ist der Ausgangspunkt. Wenn Sie genau verstehen, was sie bedeutet, begreifen Sie auch, warum zwei Objektive selbst unter denselben Aufnahmebedingungen so unterschiedliche Ergebnisse liefern können.

Was ist die Brennweite? Wie lautet die Brennweite f?

Die Brennweite ist der Abstand zwischen dem optischen Zentrum des Objektivs und dem Sensor Ihrer Kamera, wenn auf Unendlich fokussiert wird. Sie wird in Millimetern angegeben und mit „f“ bezeichnet. Sie finden sie direkt auf Ihrem Objektiv eingraviert: 35 mm, 50 mm, 85 mm, 200 mm…

Je kleiner dieser Wert ist, desto größer ist der Bildwinkel. Je größer er ist, desto stärker vergrößert das Objektiv das Motiv und desto enger wird der Bildausschnitt. So einfach ist das wirklich.

Diese Zahl bezeichnet also nicht die physische Länge des Objektivs. Ein 50-mm-Objektiv ist nicht 50 mm lang. Es handelt sich um einen optischen Wert, der beschreibt, wie die Linsen das Licht auf den Sensor bündeln.

Was bedeutet eine Brennweite von 50 mm?

Das 50-mm-Objektiv wird in der Regel als „Normalbrennweite“ bezeichnet. Und Sie werden sehen, dass dieser Begriff nicht ohne Grund gewählt wurde. Tatsächlich entspricht sein Bildwinkel sehr genau dem des menschlichen Auges. Was Sie im Sucher sehen, ähnelt dem, was Sie auf natürliche Weise wahrnehmen – ohne Übertreibung oder Verzerrung.

Aus diesem Grund wird es Anfängern oft empfohlen. Es zwingt dazu, sich zu bewegen, den Bildausschnitt mit den Füßen zu gestalten und über den Bildausschnitt nachzudenken, anstatt sich auf ein Zoomobjektiv zu verlassen. Auf einem Vollformatsensor liefert das 50-mm-Objektiv natürliche, ausgewogene Bilder mit einer schönen Darstellung des Motivs im Verhältnis zum Hintergrund.

Bei Porträtaufnahmen wirkt das Ergebnis authentisch, fast dokumentarisch. In der Straßenfotografie ermöglicht es, sich unbemerkt in die Szene einzufügen. Es handelt sich um eine vielseitige, schlichte Brennweite, die nicht versucht, zu viel zu bewirken.

Wie berechnet man die Brennweite und versteht die Werte eines Objektivs?

Die Zahlenangaben eines Objektivs erzählen eine Geschichte, doch man muss sie auch lesen können. Hinter jedem Wert verbirgt sich eine präzise optische Logik, die Ihre Fotos direkt beeinflusst. Hier erfahren Sie, wie Sie diese Daten entschlüsseln können, ohne einen Ingenieurabschluss zu benötigen.

Wie berechnet man die Brennweite? Wie lässt sich die Brennweite berechnen?

Die Grundformel in der Optik ist die für dünne Linsen. Sie lautet wie folgt: 1/f = 1/v + 1/u. In dieser Gleichung steht f für die Brennweite, v für den Abstand zwischen Objektiv und Sensor und u für den Abstand zwischen Objektiv und dem fotografierten Motiv.

In der Praxis wird diese Formel vor allem in der theoretischen Optik verwendet, doch in der Praxis müssen Sie sie nicht berechnen. Einfach ausgedrückt ist die Brennweite eine feste Eigenschaft Ihres Objektivs, die vom Hersteller angegeben und auf dem Objektivanschluss eingraviert ist. Bei einem Zoomobjektiv variiert sie je nach Ihrer Einstellung zwischen zwei Werten, beispielsweise 24–70 mm.

Was für Sie wirklich zählt, ist zu wissen, wie Sie diesen Wert interpretieren, um den Bildausschnitt vorauszusehen, den Sie erhalten werden.

Ist die Brennweite f oder 1/f?

Dies ist eine häufige Verwechslung, insbesondere bei Personen mit etwas Erfahrung in der Physik. In der Optik wird die Vergenz einer Linse mit 1/f bezeichnet und in Dioptrien ausgedrückt. Dies ist tatsächlich der Kehrwert der Brennweite.

Die Brennweite selbst wird mit f bezeichnet und in optischen Berechnungen in Metern oder in der Fotografie in Millimetern angegeben. Wenn man sagt, dass ein Objektiv eine Brennweite von 50 mm hat, ist damit tatsächlich f gemeint, nicht 1/f.

Die Vergenz dient hingegen dazu, die Stärke einer Linse zu beschreiben. Je kürzer die Brennweite ist, desto höher ist die Vergenz und desto stärker ist die Linse. Zur Veranschaulichung: Eine Linse mit 50 mm hat eine Vergenz von 20 Dioptrien. Eine Linse mit 100 mm hat eine Vergenz von 10 Dioptrien.

Beide Begriffe hängen zusammen, bezeichnen jedoch nicht dasselbe. In der Fotografie spricht man stets von „f“, der Brennweite in Millimetern.

Entspricht f/1,8 der Brennweite?

Nein, und dies ist eine weit verbreitete Verwechslung Quelle. Die Bezeichnung f/1,8 steht nicht für eine Brennweite. Sie gibt vielmehr die maximale Blendenöffnung des Objektivs an.

Die Blendenöffnung, auch als f-Zahl bezeichnet, drückt das Verhältnis zwischen der Brennweite und dem Durchmesser der Lichteinfall Öffnung aus. Um den Zusammenhang zu verdeutlichen: Ein Objektiv mit f/1,8 lässt viel Licht herein. Ein Objektiv mit f/5,6 lässt deutlich weniger Licht herein. Je kleiner die Zahl nach dem „f“ ist, desto lichtstärker ist das Objektiv.

Auf einem Fotoobjektiv finden Sie also zwei unterschiedliche Arten von Angaben. Die Brennweite, angegeben in Millimetern, gibt das Sichtfeld an. Die Blende, angegeben in der Form f/x, gibt die Lichtstärke an. Ein 50 mm f/1,8 ist ein Objektiv mit einer Brennweite von 50 mm und einer maximalen Blende von f/1,8. Beide Werte existieren nebeneinander, beziehen sich jedoch nicht auf dasselbe.

Wie wählen Sie die richtige Brennweite entsprechend Ihrem Fotostil aus und setzen sie ein?

Die Wahl der Brennweite ist nicht nur eine technische Frage. Es ist auch eine kreative Entscheidung, die Einfluss darauf hat, wie Sie sich gegenüber Ihrem Motiv positionieren und was Sie mit Ihrem Bild erzählen möchten.

Kurze, lange und Standard Brennweiten: Für jeden Einsatzzweck das passende Objektiv

Im Allgemeinen unterscheidet man drei große Brennweiten Familien, von denen jede ihre eigenen Merkmale und bevorzugten Einsatzbereiche hat.

Es gibt die kurzen Brennweiten, auch Weitwinkelobjektive genannt, die Werte unter 35 mm abdecken. Sie bieten ein weites Sichtfeld und ermöglichen es, viele Informationen im Bildausschnitt einzufangen. Sie werden vorzugsweise in der Landschafts-, Architektur- oder Reisefotografie eingesetzt. Sie verleihen Szenen Weite, betonen Fluchtlinien und erzeugen ein Gefühl des Eintauchens in die Szene. Mit einem 24-mm- oder 28-mm-Objektiv können Sie beispielsweise ein gesamtes Panorama erfassen, ohne mehrere Meter zurücktreten zu müssen.

Beachten Sie jedoch einen für Weitwinkelobjektive typischen Effekt: Je näher Sie sich dem Motiv mit einer kurzen Brennweite nähern, desto stärker werden die Proportionen verzerrt. Der Vordergrund wird vergrößert, der Hintergrund wirkt weiter entfernt. Dies ist ein kreativer Effekt, den viele Fotografen bewusst einsetzen, doch ehrlich gesagt ist es besser, ihn zu beherrschen, bevor man ihn nutzt.

Standard Brennweiten im Bereich von 35 mm bis 55 mm geben daher eine Sichtweise wieder, die der des menschlichen Auges nahekommt. Sie sind vielseitig, unauffällig und eignen sich für zahlreiche Situationen. Das 35-mm-Objektiv ist in der Straßenfotografie und im Reportage Bereich nach wie vor sehr beliebt. Das 50-mm-Objektiv eignet sich sowohl für Porträts als auch für Alltagsfotografie. Diese Brennweiten werden oft als erste den Fotografen empfohlen, die ihren Blick schärfen möchten, da sie keine ausgeprägten Verzerrungen verursachen.

Bei langen Brennweiten, jenseits von 70 mm, lassen sich das Motiv vergrößern und der scheinbare Abstand zwischen den Ebenen verringern. Je länger die Brennweite ist, desto näher scheint der Hintergrund an das Motiv heranzurücken, wodurch ein Kompressionseffekt entsteht. So wird beispielsweise ein 85-mm-Objektiv in der Porträtfotografie wegen seiner schmeichelhaften Wiedergabe von Gesichtern sehr geschätzt. Ein 200-mm- oder 400-mm-Objektiv ist in der Tier- oder Sportfotografie unverzichtbar, wo es natürlich unmöglich ist, sich dem Motiv physisch zu nähern.

Um etwas tiefer in das Thema einzusteigen, kann man auch die Makrofotografie ansprechen. Hier verlassen wir den üblichen Rahmen der Brennweiten etwas. Makroobjektive haben in der Regel eine Brennweite zwischen 60 mm und 180 mm, zeichnen sich jedoch durch ihre sehr kurze Naheinstellgrenze aus, die es ermöglicht, Motive aus einer Entfernung von nur wenigen Zentimetern zu fotografieren. Die Brennweite beeinflusst hier den Arbeitsabstand zwischen Objektiv und Motiv. Mit einem 100-mm-Makroobjektiv können Sie einen größeren Abstand einhalten als mit einem 60-mm-Makroobjektiv, was sehr vorteilhaft ist, um Insekten nicht zu verscheuchen oder das Licht zu blockieren.

Was das Reisen betrifft, steht natürlich die Vielseitigkeit im Vordergrund. Ein optisches Zoomobjektiv mit einem Brennweitenbereich von 24–70 mm oder 18–55 mm bietet Ihnen großen Spielraum, um zwischen Landschaftsaufnahmen, Porträts und Alltagsszenen zu wechseln. Wenn Sie mit leichtem Gepäck reisen und dennoch flexibel bleiben möchten, sollten Sie wissen, dass ein Objektiv mit einer Festbrennweite um 35 mm ausreichen kann, um eine Vielzahl von Situationen abzudecken.

Die Wahl eines Objektivs ist daher immer eine Frage des Gleichgewichts zwischen Ihrer fotografischen Praxis, Ihren Einschränkungen und Ihren kreativen Wünschen. Sich die Zeit zu nehmen, um zu verstehen, was jede Brennweite mit sich bringt, bedeutet, sich die Mittel an die Hand zu geben, bewusst und nicht mehr nur aus Bequemlichkeit zu fotografieren.

Die Brennweite – ein Kompass für Ihren Blick

Die Brennweite ist nicht nur eine technische Angabe, die auf einem Objektiv eingraviert ist, sondern ein echtes Werkzeug des Erzählens. Sie bestimmt Ihre Beziehung zum Motiv, was Sie in den Bildausschnitt aufnehmen und welche Emotionen Sie vermitteln.

Es gibt keine richtige oder falsche Brennweite. Es gibt Brennweiten, die zu dem passen, was Sie ausdrücken möchten, zu dem Moment, den Sie festhalten wollen. Je mehr Sie experimentieren, desto mehr entwickeln Sie ein natürliches Gespür dafür, im richtigen Moment das richtige Objektiv zu wählen.

Die Technik lässt sich zwar erlernen, doch der Blick entwickelt sich erst mit der Zeit, durch Übung und Neugier.

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