Die Sonne fotografieren: So geht’s und welche Fehler man vermeiden sollte

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Die Sonne ist wahrscheinlich das am häufigsten fotografierte Motiv der Welt und dennoch eines der am schwersten zu beherrschenden. Man drückt den Auslöser bei einem strahlenden Sonnenaufgang und erhält ein überbelichtetes Bild ohne Details und mit einem völlig „ausgebrannten“ Himmel. Die Enttäuschung ist oft genauso groß wie die Vorfreude.

Das Fotografieren der Sonne erfordert dennoch ein wenig Methodik. Die richtigen Einstellungen, die richtige Ausrüstung und vor allem ein gutes Verständnis dafür, wie das Licht auf Ihren Sensor oder Ihren Film wirkt. Ohne diese wichtigen Grundlagen kann selbst der schönste Sonnenuntergang zu einem enttäuschenden Foto führen.

Aber Sie sollten wissen, dass die häufigsten Fehler auch am einfachsten zu vermeiden sind. Oft reichen schon ein paar Anpassungen aus, um aus einem banalen Bild eine Aufnahme zu machen, die dem, was Sie gesehen haben, wirklich gerecht wird. Hier erfahren Sie, wie das geht.

Was Sie wissen müssen, bevor Sie die Sonne fotografieren

Bevor wir über Einstellungen oder Bildkomposition sprechen, gibt es eine Frage, die bei allen, die sich an die Sonnenfotografie wagen, immer wieder auftaucht. Darf man das Objektiv direkt auf die Sonne richten und wenn ja, welche Vorsichtsmaßnahmen sind zu treffen? Die Antwort darauf bestimmt alles Weitere, sowohl für die Sicherheit Ihrer Ausrüstung als auch für die Qualität Ihrer Bilder.

Kann man ein Foto von der Sonne ohne Filter machen?

Ja, das geht, aber nicht in allen Situationen und nicht ohne mögliche Folgen.

Das Fotografieren der Sonne ohne Filter ist möglich, wenn diese tief am Horizont steht, also bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. In diesen Momenten wirkt die Atmosphäre auf natürliche Weise wie ein Filter, indem sie das Licht streut und abschwächt. Die Lichtintensität wird so weit reduziert, dass Ihr Sensor damit ohne Schaden umgehen kann, vorausgesetzt, Sie arbeiten mit den richtigen Einstellungen. Unter diesen Bedingungen entstehen übrigens die gelungensten Sonnenfotos.

Wenn Sie hingegen Ihr Objektiv mitten am Tag ohne jeglichen Schutz auf die Sonne richten, sieht die Sache ganz anders aus. Die Lichtintensität ist dann so hoch, dass sie den Sensor Ihrer Digitalkamera irreparabel beschädigen kann, indem sie bestimmte Pixel buchstäblich ausbrennt. Bei einer analogen Kamera ist der Film der Leidtragende. In beiden Fällen wird das resultierende Bild überbelichtet und zwangsläufig unbrauchbar sein.

Es besteht auch eine Gefahr für Ihre Augen. Der direkte Blick in den optischen Sucher einer Kamera, selbst wenn er nur kurz ist, kann zu schweren Netzhautschäden führen. Bei Kameras mit elektronischem Sucher oder LCD-Bildschirm ist das Risiko für die Augen geringer, doch die Gefahr für den Sensor bleibt unverändert bestehen.

Die zu beachtende Faustregel ist relativ einfach: Ohne Filter fotografiert man die Sonne nur, wenn sie sich nahe am Horizont befindet, und vermeidet sorgfältig jede direkte Belichtung zur Mittagszeit.

Welcher Filter eignet sich zum Fotografieren der Sonne?

Sobald man die Sonne zu Zeiten fotografieren möchte, in denen ihr Licht zu intensiv ist, um ohne Schutz aufgenommen zu werden, sind Filter unverzichtbar. Sie reduzieren die Lichtmenge, die den Sensor erreicht, ohne die Bildqualität und Schärfe zu beeinträchtigen.

Der Neutraldichtefilter, allgemein als ND-Filter bezeichnet, wird in der gängigen Sonnenfotografie am häufigsten verwendet. Er reduziert das Licht gleichmäßig, ohne die Farben der Szene zu verändern. Es gibt ihn in verschiedenen Dichten, ausgedrückt in Blendenstufen. Ein ND3-Filter reduziert das Licht um 3 Blendenstufen, ein ND10 um 10 Blendenstufen. Um die Sonne am helllichten Tag zu fotografieren und dabei Details im Himmel und in den umgebenden Wolken zu bewahren, wird in der Regel ein starker ND-Filter zwischen ND8 und ND16 empfohlen.

Der Polarisationsfilter kann eine weitere Option sein, insbesondere für sonnige Landschaften. Er reduziert Reflexionen, verstärkt das Blau des Himmels und verbessert die allgemeine Sättigung des Bildes. Sein Effekt ist mit bloßem Auge sichtbar, wenn man den Filter vor dem Objektiv dreht, wodurch sich die Intensität des gewünschten Ergebnisses präzise einstellen lässt.

Für sogenannte wirklich extreme Situationen, wie die Fotografie von Sonnenfinsternissen oder die Beobachtung der Sonnenscheibe, gibt es spezielle Sonnenfilter, die fast das gesamte Licht und die Strahlung blockieren. Diese Filter sind für ganz bestimmte Zwecke reserviert und spielen in der klassischen Landschaftsfotografie keine Rolle.

Zum Schluss noch ein letzter praktischer Tipp: Unabhängig davon, für welchen Filter Sie sich entscheiden, überprüfen Sie vor dem Auslösen, ob er korrekt am Objektiv befestigt ist. Ein schlecht aufgeschraubter oder falsch positionierter Filter kann im ungünstigsten Moment verrutschen und unerwünschte Lichtmengen durchlassen.

So fotografieren Sie die Sonne: Einstellungen und Techniken

Sobald die Fragen der Sicherheit und der Filter geklärt sind, geht es ans Eingemachte. Die Einstellungen Ihrer Kamera spielen eine entscheidende Rolle für die Qualität des Endergebnisses. Bei direkter Sonneneinstrahlung ist das Licht reichlich vorhanden, manchmal sogar übermäßig, und jeder Parameter muss präzise angepasst werden, um überbelichtete oder flache Bilder zu vermeiden. Hier erfahren Sie, wie Sie die beiden wichtigsten Einstellungen angehen sollten.

Welcher ISO-Wert bei direkter Sonneneinstrahlung?

Der ISO-Wert ist neben Blende und Verschlusszeit einer der drei grundlegenden Belichtungsparameter. Er bestimmt die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Je höher der ISO-Wert, desto empfindlicher ist der Sensor, aber desto stärker ist auch das Bildrauschen.

Bei strahlendem Sonnenschein ist das natürliche Licht bereits sehr reichlich vorhanden. Eine Erhöhung des ISO-Werts unter diesen Bedingungen ist daher sinnlos und würde lediglich störendes Bildrauschen in Ihre Fotos einbringen. Die allgemeine Regel lautet, den Wert so niedrig wie möglich zu halten, idealerweise bei ISO 100, je nach Kamera manchmal auch bei 200. Bei diesen Werten erzeugt der Sensor saubere, scharfgezeichnete Bilder mit einem optimalen Dynamikumfang.

Dies wird übrigens als „Sunny-16-Regel“ bezeichnet, eine einfache Methode, die aus der Zeit der Analogfotografie stammt. Sie besagt, dass bei voller Sonneneinstrahlung und einer Blende von f/16 die Verschlusszeit dem Kehrwert des verwendeten ISO-Werts entsprechen muss. Bei ISO 100 arbeitet man also mit 1/100 Sekunde oder 1/125 Sekunde bei Digitalkameras, die diese exakte Stufe nicht haben. Diese Regel bietet einen zuverlässigen Ausgangspunkt, den man anschließend je nach Motiv verfeinert.

Für diejenigen, die mit einer analogen Kamera fotografieren, gilt das gleiche Prinzip. Ein Film mit ISO 100 ist ideal für Aufnahmen bei hellem Tageslicht. Er erzeugt eine feine Körnung und satte Farben, die perfekt für Bedingungen mit starker Sonneneinstrahlung geeignet sind.

Wie fotografiert man die Sonne, ohne das Bild zu überbelichten?

Überbelichtung ist zweifellos der häufigste Fehler, wenn man die Kamera auf die Sonne oder in deren Richtung richtet. Der Himmel wird weiß, die Wolken verschwinden und die Details, die Sie festhalten wollten, gehen vollständig verloren. Mit ein paar Anpassungen lässt sich dieses enttäuschende Ergebnis vermeiden.

Der erste Reflex ist, in den manuellen Modus zu wechseln. Denn im Automatikmodus berechnet die Kamera die Belichtung anhand der gesamten Szene und neigt dazu, zu überbelichten, sobald die Sonne ins Bild kommt. Im manuellen Modus behalten Sie die vollständige Kontrolle über jeden Parameter und können die Einstellungen präzise an das anpassen, was Sie hervorheben möchten.

Die Belichtungsspeicherung ist eine weitere interessante Technik. Dabei wird die Belichtung in einem bestimmten Bildbereich gemessen, zum Beispiel am Himmel um die Sonne herum, und dieser Wert wird dann fixiert, bevor Sie den Bildausschnitt neu wählen. Bei den meisten Kameras ist diese Funktion über die AE-L-Taste zugänglich.

Denken Sie auch an die Belichtungskorrektur. Indem Sie die Belichtung um ein bis zwei Blendenstufen gegenüber dem von der Kamera vorgeschlagenen Wert reduzieren, gewinnen Sie Details in den hellsten Bereichen zurück, ohne dabei die Schattenbereiche übermäßig unterbelichten.

Das Fotografieren im RAW-Format bietet, sofern Ihre Kamera dies unterstützt, einen erheblichen Spielraum bei der Nachbearbeitung. Im Gegensatz zum JPEG-Format speichert die RAW-Datei alle vom Sensor erfassten Informationen, auch in den Lichtern. So lassen sich bei der Bearbeitung Details in einem leicht überbelichteten Himmel wiederherstellen, was mit einer komprimierten Datei unmöglich wäre.

Das Sonnenlicht optimal nutzen, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang

Wie Sie wissen, ist das Sonnenlicht von Stunde zu Stunde unterschiedlich. Zwischen Sonnenaufgang, Mittag und Sonnenuntergang bieten sich Ihnen drei völlig unterschiedliche Lichtstimmungen. Jede hat ihre eigenen Herausforderungen und Möglichkeiten. Wenn Sie diese zu nutzen wissen, erhöhen Sie Ihre Chancen, mit Bildern nach Hause zu kommen, die sich von der Masse abheben.

Was sind die besten Einstellungen für Sonnenaufgang Fotos?

Der Sonnenaufgang ist zweifellos der großzügigste Moment für alle, die bereit sind, früh aufzustehen. Das Licht ist sanft, die Farben warm und wechselhaft. Die Atmosphäre ist oft von einem leichten Dunst durchzogen, der den Bildern Tiefe verleiht. Doch die Bedingungen ändern sich schnell, manchmal innerhalb weniger Minuten, weshalb man bereit sein muss, noch bevor die Sonne am Horizont erscheint.

Die Vorbereitung beginnt bereits am Vortag. Suchen Sie sich Ihren Aufnahmeort aus, überprüfen Sie die genaue Zeit des Sonnenaufgangs und begeben Sie sich mindestens zwanzig Minuten vorher dorthin. Bei Ihrer Ankunft ist das Licht noch schwach. Sie müssen mit etwas höheren ISO-Werten als tagsüber arbeiten, je nach Kamera zwischen 400 und 800, um diesen Lichtmangel auszugleichen, ohne die Belichtungszeit übermäßig zu verlängern.

Die ideale Blende liegt in der Regel zwischen f/8 und f/11. Sie garantiert eine gute Schärfe über die gesamte Szene hinweg und erzeugt gleichzeitig, wenn die Sonne am Horizont erscheint, diesen charakteristischen Sterneneffekt auf der Sonnenscheibe. Je kleiner die Blende ist, desto ausgeprägter ist dieser Effekt.

Die Verschlusszeit richtet sich danach, was Sie einfangen möchten. Um die Wolken und die Farben des Himmels in ihrem momentanen Zustand einzufrieren, ist eine kurze Verschlusszeit geeignet. Um eine leichte Bewegungsunschärfe auf dem Wasser oder im Gras zu erzeugen, sorgt eine längere Belichtungszeit mit einem Stativ für mehr Weichheit im Gesamtbild.

Ein letzter wichtiger Punkt zum Weißabgleich. Wenn Sie Ihren Weißabgleich bei Sonnenaufgang manuell auf „bewölkt“ oder „Schatten“ einstellen, werden die orangefarbenen und rosafarbenen Töne verstärkt, die die ganze Schönheit dieser Momente ausmachen. Im Automatikmodus neigt die Kamera dazu, diese warmen Farbtöne zu neutralisieren, was das Endergebnis erheblich beeinträchtigt.

Wie nutzt man das Sonnenlicht tagsüber und bei Sonnenuntergang am besten?

Das Mittagslicht wird von Fotografen oft gefürchtet, und das nicht ohne Grund. Sein Licht ist hart, senkrecht und wirft tiefe Schatten, die Porträts hart wirken lassen und Landschaften flach erscheinen lassen können. Dennoch hat dieses Licht seine Vorzüge, vorausgesetzt, man weiß, wie man damit umgeht.

Bei sehr grafischen Landschaften, Architektur oder städtischen Szenen erzeugt das Mittagslicht starke Kontraste und scharfe Schatten, die Volumen und Geometrien betonen. Wenn man mit einer kleinen Blende zwischen f/11 und f/16 und einer niedrigen ISO-Einstellung von 100 arbeitet, bleiben alle Details in den belichteten Bereichen erhalten. Die Überbelichtung bleibt die größte Gefahr, auf die man achten muss, vor allem wenn der Himmel klar und sehr hell ist.

Der Sonnenuntergang ist, wie bereits erwähnt, neben dem Sonnenaufgang der Lieblingsmoment der meisten Fotografen. Die Bedingungen sind oft flexibler als am Morgen, das flache Licht erzeugt wunderschöne Volumen und die Farben können innerhalb weniger Minuten von Gold zu tiefem Rot wechseln.

Die Grundeinstellungen ähneln denen beim Sonnenaufgang. Man arbeitet mit einer Blende zwischen f/8 und f/11, einer niedrigen ISO-Empfindlichkeit, solange es das Licht zulässt, und erhöht die Empfindlichkeit schrittweise, während die Sonne unter den Horizont sinkt. Die Dämmerung unmittelbar nach Sonnenuntergang, die Fotografen als „Blue Hour“ bezeichnen, bietet ein blaues, diffuses Licht, das besonders vorteilhaft für Landschaften und Stadtansichten ist.

Die Sonne zu fotografieren bedeutet vor allem, zu lernen, das Licht zu bändigen

Die Sonne ist eine launische Lichtquelle. Sie blendet, sie überbelichtet die Bilder und verschwindet hinter den Wolken, gerade wenn man es am wenigsten erwartet. Aber genau das macht sie zu einem ebenso faszinierenden wie anregenden Motiv für jeden Fotografen, der sich weiterentwickeln möchte.

Die Grundlagen sind letztlich recht einfach zu verinnerlichen. Man schützt seine Ausrüstung mit geeigneten Filtern, arbeitet mit niedrigen ISO-Werten, wechselt in den manuellen Modus, um die Kontrolle zu behalten, und wählt die Tageszeiten sorgfältig aus. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang bleiben die großzügigsten Momente, in denen sich das Licht innerhalb weniger Minuten wandelt und jeder Auslöser ein einzigartiges Ergebnis liefern kann.

Der Rest kommt mit der Übung. Je öfter Sie mit Ihrer Kamera unterwegs sind, desto besser entwickeln Sie ein instinktives Gespür für das Licht und seine Schwankungen. Sie werden die Bedingungen besser einschätzen können, schneller auf Veränderungen reagieren und Ihre Einstellungen werden nach und nach zu Reflexen.

Die Sonne wird morgen früh immer noch da sein. Die Frage ist nur, ob Sie bereit sind, sie zu empfangen.

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